Möwe

Dreister Überfall in Schilksee

Ein schöner Spätsommer-Nachmittag an der Ostsee. Eine prima Gelegenheit, endlich wieder einmal einen entspannten Spaziergang am Strand in Schilksee und ein leckeres Fischbrötchen zu genießen.

Also, die Auswahl fällt nicht schwer und mit meinem appetitlichen Brötchen verlasse ich den Fischimbiss und suche ich mir draußen einen gemütlichen Platz in der Sonne. Doch während ich auf dem Weg zu einer freien Bank bin, merke ich ein seltsames Gewusel auf meiner linken Schulter und einen Augenblick später fliegt eine ziemlich große Möwe vor mir auf den nächsten Laternenmast.

Möwe 2

Ich denke noch: „Was will denn diese Möwe von mir? Wenn sie mein Brötchen haben will, dann sollte sie lieber von vorne kommen. Von der Schulter aus kommt sie doch gar nicht an das Brötchen. Eine ziemlich dumme Möwe.“

Aber etwas später kam ich darauf, dass dieser schlaue Vogel gar nicht direkt an das Brötchen wollte. Das würde wohl jeder automatisch verteidigen und der Vogel kommt vielleicht zu Schaden. Nein, das war bestimmt eine andere Taktik.

Und nur wenige Minuten danach konnte ich nun dieser Szene noch einmal zusehen.

Ein junges Paar kam aus dem kleinen Laden. Die Frau hatte ein Fischbrötchen in der Hand und wollte gerade hineinbeißen. Da kam (eine andere) große Möwe von hinten und setzte sich für einen Moment auf ihre linke Schulter. Sofort flog sie weiter – aber sie hatte erreicht, was sie wohl beabsichtigte. Das Erschrecken der Frau war so groß, dass das Brötchen auf den Boden fiel und drei weitere Möwen holten sich sofort die Teile der leckeren Mahlzeit. Eine Möwe war so gierig, dass sie sogar eiMöwe 3ne Hälfte inklusive Servierte herunterschlang.

Das war natürlich traurig für das betroffene Opfer dieses Überfalls, aber ich gebe zu, dass mich die Taktik und Durchführung dieser ziemlich klugen Tiere doch ziemlich begeisterte.

Nun nahm ich mir die Zeit, dem Geschehen in Ruhe zuzusehen. Diese klugen Möwen warnen nicht einmal vor. Es sitzt immer nur eine Möwe ganz unauffällig auf einem Pfahl, Laterne oder Dach und beobachtet das Kommen und Gehen. Keine andere Möwe ist irgendwo zu sehen. Also keine Vorwarnung wie bei Hitchcocks „Die Vögel“. Erst wenn ein Schreck-Angriff erfolgt, kommen auf einmal auch die anderen Möwen zur Beuteabholung.

Und im Nachhinein muß ich doch den klugen Räubern Abbitte leisten, da ich die Möwe anfangs für ziemlich dumm gehalten habe. Schließlich hatte ich einfach nur Glück (und die Möwen Pech), dass ich nicht so schreckhaft war und mein Brötchen gut festgehalten habe.

Dabei kann man doch immer wieder feststellen, wieviel Intelligenz gerade Vögel haben. Vor ein paar Wochen sah ich im Hagenbeck-Tierpark auf einem ausgedehnten Rasen zwei Pampashasen und eine Krähe. Beide relativ großen Hasen lagen friedlich auf dem Bauch und verdauten wohl gerade. Doch vor dem einen der beiden spielte die Krähe ziemlich provozierend mit einer Nuß oder Eichel im Gras. Immer wieder versuchte sie, den chillenden Hasen zu einer Reaktion zu verführen.

Dabei kam mir eine Intelligenz-Studie in den Sinn, wo eine Krähe immer wieder einem Hund in den Schwanz kniff und sich diebisch freute, wenn sich der Hund zu langsam umdrehte, um sie noch zu erwischen. Einfach aus Spaß. Und die Krähen im Regenwald, die sich aus stacheligen Blatträndern komplexe Werkzeuge bauen, um Maden aus Baumlöchern zu fischen.

Oder die amüsanten weißen australischen Kakadus. Sie setzen sich auf die Sprossen eines Windrades zur Wasserförderung. Wenn der Wind anfängt, das Windrad zu drehen, behalten die klugen Tiere ihren Platz und wandern immer mit der Drehung mit. Sie fahren sozusagen Karussel und amüsieren sich sichtlich dabei. Ganz besonders spannend wird es, wenn der Wind stärker wird und das Rad sich immer schneller dreht. Ein Kakadu nach dem anderen muss seinen Platz verlassen und sieht dann den übrig gebliebenen zu. Diese Gruppe spornt dann die letzten an, bis auch der Allerletzte unter lautem Gekecker aufgeben muss. Einfach weil es ihnen Freude macht.

Wir müssen uns wohl an den Gedanken gewöhnen, dass die Intelligenz viel weiter verteilt ist, als wir vermuten und wohl wünschen.

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