Zeugen Jehovas (Quelle: J.Gratz)

Arme Zeugen Jehovas

Immer, wenn ich sie vor Geschäftspassagen, auf dem Wochenmarkt oder bei Veranstaltungen stehen sehe, schwanke ich zwischen Mitleid für die Menschen und Abscheu vor dem Missionieren.

Inzwischen verstehe ich, wie jemand Mitglied der Sekte „Zeugen Jehovas“ wird und dazu kommt, sich zu den verlangten Diensten herzugeben. Viele werden wohl einfach durch Eltern, Pfleger oder Partner bekehrt. Etliche geben dem hartnäckigen Drängen irgendwann nach. Erstaunlich allerdings, dass die allermeisten wirklich glauben, sie stehen im Dienst Gottes.

Die Dienste sind ja gar nicht so leicht durchgängig leistbar. Damit absolut jeder bei der „Evangelisation“ (Bekehrung) mithelfen kann, muss jeder mehrmals pro Woche Veranstaltungen besuchen. Bibelauslegungen, Verkäuferschulung (vergleichbar mit Tupperware) und Arbeitsstunden beim Verteilen der Werbehefte. Wer nicht 8 Stunden pro Monat draußen stehen kann oder will, muss Dienste in anderer Form leisten. Hausbesuche machen, Briefe schreiben, Übersetzungen erstellen oder drucken, in Kommitees oder lehrend mitarbeiten. Insgesamt sind wohl 17 bis 18 Stunden pro Monat abzuleisten.

Auch Gelder werden als Spende eingesammelt. Jeder hat freiwillig sein Scherflein als prozentualen Betrag vom Einkommen anonym abzuliefern. Angaben werden nicht gerne gemacht, aber „Jehova weiß, wieviel ich hineintue“.

Mein Mitleid betrifft vor allem den Zustand, in den sich die Mitglieder hinein entwickeln. Jehovas Lehren betreffen schnell alle Lebensbereiche. Nichts, was nicht unter der Aufsicht von Jehova steht. Da wird jeder selbst zu seinem strengsten Aufseher. Das Bestreben jedes Zeugen Jehovas ist, einer der letzten möglichen Teilnehmer der 144.000 Menschen zu werden, die irgendwann neben Jesus im Himmel sitzen werden und das böse Ende mit dem Harmagedon überstehen. Die schlimmste Strafe für Untreue ist dann, davon ausgeschlossen zu werden und niemals in den „Königreichssaal“ kommen zu können.

Aber traurig finde ich auch, welches Gottesbild hier vermittelt wird. Gott Jehova ist hier ein persönlicher Schöpfergott, der die Erde und das Universum speziell für Menschen erschaffen hat. Jesus ist der erste und einzige erweckte Mensch, der als Geistwesen in den Himmel kam und nun von den 144.000 Zeugen Jehovas begleitet werden kann.

Wenn man einmal die Gebote der Bibel ernst nimmt, dass der Gott Jehova „der einzige wahre Gott“ ist (zumindest für Juden, Christen und Zeugen Jehovas), dann gibt oder gab es wohl noch andere Götter. Und wenn man einmal die alten sumerischen Schriften (Atrahasis- oder Gilgamesch-Epos) liest, liest man von anderen Mitgliedern der Götterfamilie. Dabei kommt der Halbbruder Jahwe oder Jehowa mit seinem ziemlich schlimmen Charakter nicht gut weg.

Warum begibt man sich als „Zeuge Jehovas“ also freiwillig in eine Knechtschaft von solch einem Gott? Und möchte auch noch dazu alle anderen Menschen unbedingt dazu bringen, sich genauso in den Dienst dieses Gottes und seiner Organisation WTS (Wachtum-Gesellschaft in Amerika)?

Und da hört für mich das Mitleid auf. Wer andere in die gleiche Falle lockt, in der man selbst sitzt, verdient für mich dann eher Ablehnung. Und die Techniken zur Werbung mit Verschleierung und Einsatz aller Werbetricks und dem Training aller Verkaufstechniken (wie bei Avon und Tupperware) sind für mich im Glaubensbereich unangebracht und erfüllen mich mit Abscheu.

Nun gut, der Gründer der „Internationalen Vereinigung Ernster Bibelforscher“ war ein Kaufmann namens Charles Taze Russel. Und so hat er seine „Zeugen Jehovas“ dann folgerichtig als Religionsgemeinschaft gegründet und ein weltweites kommerzielles Unternehmen dazu erschaffen. Sie finanzieren die beiden Zeitschriften, Bibelübersetzungen und immer mehr Online-Medien aus den vielen Beiträgen ihrer immer mehr werdenden Mitglieder.

Beeindruckend ist es, wie leicht ein Kaufmann mit der Idee, eine bestehende Religion leicht zu verändern und mit rechthaberischer Vehemenz alle anderen zu Sekten zu erklären, eine neue weltumspannende Organisation mit Milliarden Umsatz erschaffen kann. Und alle Mitglieder arbeiten auf eigene Kosten und opfern ihre Zeit zur Vermehrung des Firmenvermögens.

 

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